Hej och välkommen!
Jochen war von Januar bis Oktober 2004 als Austauchstudent in Karlstad / Schweden.
Auf dieser Seite gibt es ein paar Impressionen in Bild und Schrift, sowie die gesammelten Newsletter:

- 12.01.2004, Betreff: Elchtest bestanden
- 19.01.2004, Betreff: Första veckan är slut!
- 09.02.2004, Betreff: Ein Schwede kommt selten allein...
- 26.02.2004Vänern, Nävgröt und BlackJack
- 06.04.2004 Halvtid! ELLER: Barn, hur tiden förflytar!  - (Halbzeit! ODER: Kinder, wie die Zeit vergeht!)
- 12.06.2004 Slut, eller hur? (Schluß, oder wie?)
- 27.10.2004, En gång till! ELLER: Snart är allt över! (Zugabe! ODER: Bald ist alles vorbei!

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12.01.2004, Betreff: Elchtest bestanden

Liebe Freunde von Smörebröd och Gödkyckling,

nach recht komfortabler Fahrt im Auto der werten Kommilitonin Christina Butz und an Bord der "Stena Line"-Fähre von Kiel nach Göteborg bin ich wohlbehalten in Karlstad / Schweden angekommen.

Mein Zimmer ist doch günstiger als erwartet, statt ca. 300,- Euro bezahle ich nun doch nur rund 285,- für meine ausgedehnten 13 qm inkl. Toilette und Dusche. Da bleibt laut Tierschutzverordnung leider kein Platz für weitere Legehennen, o.ä. Dafür ist das Haus im Herzen von Karlstad gelegen, Supermarkt, Banken, Kino, Kneipen, Bahnhof und Radhuset sind in der näheren Umgebung von 5 min. Fußweg. H&M ist gleich gegenüber.
Mitt fådder (Host Student) heter Sara Gärdesund och är 23 år. Sie ist natürlich blond, nett und "vi fikade", wobei "vi" = "wir" und "fika" = "Kaffee trinken" bedeutet, wie jedes schwedische Wörterbuch beweist.

Die anderen internationalen Studenten auf meinem Gang (deutsch, östereichisch, französisch, kanadisch, schwedisch, und weitere, die ich noch nicht kenne) sind nett, keiner ärgert mich hier.

Morgen habe ich meinen ersten Einführungstag in der Uni, und am Wochenende machen wir einen Ausflug in einen SnowFunPark, wo ich mich vermutlich einer Snow-Scouter-Safari anschließen werde.

Für diejenigen die mir per Post schreiben möchten, hier meine schwedische Adresse:

Jochen Manske
Västra Torggatan 8 / 530
652 25 Karlstad
Sweden

Bis zum nächsten Mal,
Jochen;-)

PS.:Da ich noch keinen Internetzugang habe, werdet Ihr diese e-mail erst in ein paar Tagen lesen.

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19.01.2004, Betreff: Första veckan är slut!

Liebe Freunde der frühen Dunkelheit,

die erste Woche meines schwedischen Selbstversuchs ist nun vorbei. Die Einführungstage an der Universität haben einiges mehr an Licht in meinen Aufenthalt gebracht, als es die Sonne tut. Gegen 16 Uhr ist hier die Sonne schon fast komplett untergegangen, so dass meine innere Uhr mir hier um 17 Uhr das Gefühl von ca. 19.30 Uhr gibt. Will sagen: Es fühlt sich hier immer später an, als es eigentlich ist - eine Gewöhnungssache.

Die Uni ist relativ schön, wenn auch aufgrund von Neubauten im Herzen des Geländes wohl während meines ganzen Aufenthalts eine Baustelle. Die Bücherei ist die modernste Uni-Bibliothek Schwedens, da auch vor kurzem erst fertiggestellt. Dort habe ich auch dann auch Zugriff auf's Internet, wenn auch nicht mit meinem Notebook, was das komfortable Versenden von mails über Outlook doch deutlich erschwert. Zum Glück duldet mich mein Lüneburger Kommilitone Karsten Frey dankenswerter Weise ab und an in seiner Unterkunft, die aufgrund der Uni-Nähe mit einem Breitband-Anschluss ausgestattet ist. So konnte ich schon zweimal meine mails versenden und per Online-Banking das dicke Minus auf dem Girokonto ausgleichen.

Nachdem ich nun auch den ersten Preisschock im hiesigen City-Supermarkt überstanden habe, bin ich mit Karsten zu einem Einkaufszentrum etwas außerhalb gefahren, das größtenteils "deutsche Preise" hat, sprich ähnlich günstig ist wie die Discounter bei Euch im Süden:) Ansonsten darf man hier oftmals tiefer in die Tasche greifen - das zweifache ist nicht ungewöhnlich.

Harten Alkohol (per Defintion alles, was über 3,5 % liegt) bekommt man hier nur im monopolisierten Alkoholhandel "systembolaget", wo man für die günstigste Dose Bier rund 1,10 Euro und für die Flasche Wodka mal eben ganze 30,- berappen muss. Auch in den Kneipen legt man das doppelte hin. Trotzdem saufen die Schweden wie die Großen. Durch die hohen Preise wird der gemeinschaftliche Alkoholkonsum hier doch noch höher angesehen, als die Trinkgelage in deutschen Gefilden. Sich hier gemeinschaftlich die Kante zu geben läuft unter dem Motto "Heute gönnen wir uns mal was richtig teures! (Und was teuer und folglich wertvoll ist, kann doch nicht schlecht sein)". Auf die Frage, was ich tun muß, um ein echter Schwede zu werden, bekam ich die Antwort, ich hätte mich in der Disko so zu besaufen, dass mich jemand nach Hause tragen müßte. Und auf dem Weg aus der Disko raus, sollte ich am besten noch ein paar Gäste anko**en. Dies ist mir bislang noch nicht gelungen.

Letzten Donnerstag haben uns unsere Host Students zu einem Dinner eingeladen. Es war ein richtig netter Abend mit 4 Schwedinnen, 2 Schweden, je 1 Franzose / Französin und 2 Deutschen. Um mich der schwedischen Kultur anzunähern habe ich dort ein Glas "hembränd" (also im Keller selbstdestillierten Schnaps) mit Orangensaft getrunken und den für Schweden typischen "snus" (eine Art Kautabak) probiert, wobei letzterer mir mit einer sehr starken Nikotinwirkung angekündigt wurde. Nachdem ich rund 20 Minuten von der gesamten Runde auf die Wirkung hin beobachtet wurde und mir trotz meines Daseins als Nichtraucher nicht mal ein wenig schwindelig wurde, bekam ich das Prädikat "heimlicher Kettenraucher" verliehen. Darauf bin ich wenig stolz. Der "hembränd" war nicht wirklich ungesund, jedenfalls habe ich mein Augenlicht bislang behalten. Desweiteren oder in erster Linie hat der Abend viele Interessante Gespräche und natürlich weitere Kontakte zu "Einheimischen" gebracht, die es zu pflegen gilt. Angeblich kommt man "internationaler" nicht so schnell in engeren Kontakt mit Schweden, wenn man sich nicht intensiv darum bemüht. Bislang kann ich allerdings nicht klagen.

Eine weitere Maßnahme wird eine "Conversation Group" auf deutsch mit schwedischen Deutschstudenten sein, die ich, sofern es in den Stundenplan passt, in zwei Wochen beginnen werde. Das bedeutet pro Woche 90 Minuten bezahlte Gespräche. Solange ich nicht darum gebeten werde, die deutsche Grammatik zu erklären...

Der geplante Ausflug am Wochenende wurde leider aufgrund mangelnder Beteiligung abgesagt. Die Chance zum Ski-Fahren werde ich aber in zwei Wochen noch einmal bekommen. Das nun freie Wochenende habe ich genutzt, um meine Freundin Christiane in Örebro (120 km Richtung Stockholm) zu besuchen, wo sie ebenfalls bis Juni studiert.

Gleich geht es zur Welcome-Party mit Dinner, Entertainment und den Host Students.

Hälsningar,
Jochen;-)

PS.: Ich besitze mittlerweile eine Prepaid-Karte für mein Handy, die Nummer lautet ++ 46 730 803533. www.billiger-telefonieren.de liefert Call-By-Call-Nummern, die Anrufe um die 15 cent/Minute ermöglichen. Ist also nicht wirklich teurer, als inländische Gespräche auf's Handy. Wir sprechen uns...

PS.2: Anbei ein Bild von meiner Host Studentin Sara Gärdesund und meiner Wenigkeit. So schön kann Schweden sein....

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09.02.2004, Betreff: Ein Schwede kommt selten allein...

Snälla Freunde von hackspett och pungdjur,

nachdem ich nun schon ganze 4 Wochen in nordischen Gefilden weile, habe ich es endlich geschafft, mich für einen Tag in den Schnee zu stürzen.
Während Deutschland dem Vernehmen nach in den letzten Wochen im Schneechaos versunken ist, hat es Petrus (oder Per, wie der Schwde wohl sagt;-) mit dem Värmland recht milde gemeint. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. In der letzten Woche ist hier in Karlstad der Schnee fast gänzlich weggeschmolzen, Mittwoch bis Freitag hat es geregnet, und erst in der Nacht zu Samstag, kamen ein paar Flocken hernieder. Heute hat es endlich wieder ein bisschen stärker geschneit, wobei bei mir in der Innenstadt kaum Schnee liegen geblieben ist.

Zu Verkehrschaos führt Schneefall hier eigentlich nicht, der gemeine Schwede fährt generell wie die besengte S**, und während die versierteren Fahrer es geniessen mit vollem Tempo durch die Kurven zu rutschen, passiert das den ungeübteren eher aus versehen. Das Heranrutschen mit hoher Geschwindigkeit und vollgetretener Bremse an den Zebrastreifen hat ebenfalls olypmischen Charakter. Zur zeit debatiert das Parlament über eine allgemeine Helmpflicht beim Autofahren.

Wie unterschiedich hier das Klima ist, habe ich bei meiner Fahrt mit dem Uni-Sport in ein ca. 150 km nördlich liegendes Skigebiet feststellen dürfen. Als wir am Samstag morgen um 8 Uhr vor der Uni abgefahren sind, lagen gerade mal 0,5 cm Schnee, im Skigebiet angekommen herrschten allerdings richtig gute Pistenverhältnisse. Auch wenn es sich bei Hovfjället ( www.hovfjallet.se ) um eine äußerst kleine Ausgabe der Alpen handelt, waren die Abfahrten recht abwechslungsreich und für einen Pistenrowdy wie mich ausreichend. Bis auf ein paar kleine Stürze und einer Hose voller Schnee, waren am abend keine großen Verluste zu melden.

Die Uni hat mich in der letzten Woche sehr gefordert, da es galt zu dritt ein 5-seitiges Assignment (was das ist, ist auch mir bis heute nicht 100%ig) klar, in dem wir die Analyse der Weltmärkte für ein frei gewähltes Produkt auf einige wenige erfolgsversprechende Märkte per Datenanalyse herunterbrechen und dies möglichst logisch und argumeetativ begründen sollten. Die zu benutzenden Daten galt es ebenfalls (per Internet) zu suchen. Drei ganze haben wir dazu in der Bibliothek verbracht. Wie unser Ergebnis ausfällt, bleibt abzuwarten... Immerhin haben wir unsere Arbeit schon am Freitag vorgestellt und abgegeben, und dabei nicht das schlechteste Gefühl. Und damit erst gar keine Langeweile aufkommt, haben wir gleich die nächste Aufgabe bekommen: Eine Arbeit über den Einsatz von e-commerce als Wettbewerbsfaktor im internationalen Geschäft. Diese beiden Arbeiten fliessen in die Endnote mit ein, dazu kommen eine Klausur und drei Fallstudien, die ebenfalls mit gewertet werden.

Die Vorlesungen werden von abwechselnden Dozenten gehalten, die allesamt Experten für ein bestimmtes Gebiet sind, und lediglich das Hintergrund- oder sogar Zusatzwissen liefern, was in der Klausur drankommt steht in einem 53,- € & 700 Seiten-Schinken - äußerst beruhigend, dass die Arbeit so viel Zeit in Anspruch genommen hat, das ich gerade mal 10 Seiten gelesen habe. Es geht voran...

Der Schwedischkurs fordert mich leider nicht so richtig, vor allem, da es die Sprachanfänger aus anderen, vor allem nicht westeuropäischen Ländern deutlich schwerer haben: Was "Jag heter Jochen." oder "Jag är 23 år." ist für unsereins noch leicht zu erraten, während der Mexikaner oder Amerikaner damit so seine Schwierigkeiten hat.

Nachdem ich heute meinen fehlenden Schlaf der letzten Woche bis ca. 15 Uhr ausgeglichen habe, werde ich mich (22.35 Uhr) daran machen, einen schwedischen Comic anzufangen, um mir so ein paar "fortgeschrittene" Kenntnisse anzueignen.
Mein Fazit nach dem ersten Monat: Es ist auch in Schweden nicht alles Gold, was glänzt, aber der Aufenthalt hier ist allemal Gold wert.

Hälsningar på Tyskland

Jochen;-)

PS.: Im Anhang erhaltet Ihr einen kleinen Stummfilm in miserabler (dafür aber in der Datenmenge aüßerst reduzierter und somit akzeptabler) Qualität, damit Ihr Euch einen kurzen Eindruck von meinem Zimmer machen könnt.

Video från Jochens studentrum.

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26.02.2004Vänern, Nävgröt und BlackJack

Snälla vänner om insättning och uttag,

hur är läget?
Jag är bra, tack!

Einmal werde ich noch wach - heißa, dann gibt's die 3-stündige und internationale Marketingklausur. Die Vorbereitung hierzu hat mich in dieser Woche und auch am letzten Wochenende gut beschäftigt. Aber wie man hört, wird auch bei Euch im sonnigen Süden die eine oder oder andere Klausur geschrieben, und die Werktätigen wären froh, wenn Sie welche schreiben dürften. Wer möchte sich da also beklagen...?

Doch damit ist's noch nicht genug mit Marketing: Es folgen drei Wochen mit jeweils einer Fallstudie, zu deren Lösung wir jeweils eine Woche Zeit haben. Im Anschluß folgt die Abrechnung nach dem Prinzip Verteidigung und Anklage: Eine Gruppe präsent- und die andere Gruppe kritisiert nach Leibeskräften. Man darf gespannt sein, wie's ausgeht. Der Ausgang unseres ersten Assignments war überraschend - Prädikat "Klassenbeste" mit 13 von 15 möglichen Punkten. Dies hängt vermutlich zum einen mit dem Aufwand zusammen, den wir betrieben und dem Gespött was wir ertragen haben: "OH, you're STILL working on your assignment?" Alle anderen waren schon lange oder wesentlich schneller fertig. Zum anderen liegt es wohl auch an der mehr oder minder akribischen Anbringung von Fussnoten die, wie, die Zusammenarbeit mit anderen Nationalitäten gezeigt hat, nicht überall gang und gebe ist. Gerade im Süden nimmt man's etwas leichter, und das nicht ohne Grund wie uns der aktuelle SPIEGEL-Titel ("Lachnummer Deutschland" - sehr zu empfehlen!) wissen lässt. Jedenfalls wurde von Chef Bo Rundh angemerkt, dass häufig nicht eine einzige Fussnote zu finden war... Das Ergebnis des zweiten Assignments steht noch aus. Auch hier haben wir wieder voll zugelangt...

Neben dem doch sehr erfüllenden Studienleben gelingt es mir dennoch, einige Aspekte des schwedischen (Nacht-)Lebens und der näheren Umgebung zu entdecken.

Eine Besonderheit der nordischen Diskotheken sind die BlackJack-Tische, an denen überschwengliche bis volltrunkene Skandinavier Ihre, an hiesigen Lebenshaltungskosten gemessen, doch recht geringen Löhne verzocken. Faszinierend! Um das Spiel und die Regeln zu erkunden (ja, ich weiß: 17und4, aber es gibt doch einige Besonderheiten und Optionen), habe ich mich rund eine halbe Stunde am grünen Tisch herumgedrückt und dürfte bestaunen, wie ein kleiner Mann arabischer Abstammung mit großer, weltmännischer Geste innerhalb von 7 Minuten ca. 100,- Euro verspielte, um unglücklich von dannen zu ziehen. Allen anderen ging es ähnlich. Nachdem ich so viel gesehen und das Spiel und die notwendigen Handzeichen gelernt hatte, war es an der Zeit, selbst eine kleine Partie zu wagen: Und siehe da, mein Einsatz kam doppelt wieder raus - 100 % Gewinn! So wurden in einem Spiel aus 20 Kronen (2,20 €) 40 Kronen und ich hatte das Garderobengeld wieder drin (siehe Anhang)! Ein tolles Gefühl, nächstes Mal setze ich mehr, wäre doch gelacht ... muß doch zu machen sein ...

Der Schwede an sich liebt das Glücksspiel, noch mehr aber liebt er sein Land und die Natur.

Und die ist durchaus atemberaubend. Am vorletzten Wochenende habe ich mit Guus und Sebastian (Holland) und Zarah (Schweden) die Halbinsel Hammarö im See Vänern erkundet, die unweit südlich von Karlstad liegt. Mit Sebastians Auto waren wir in der Lage, bis zum südlichsten Punkt vorzudringen und dort die Natur zu geniessen. Mit Öffis wäre das nicht zu machen gewesen, Schweden ist doch ziemlich dünn besiedelt.

Nachdem wir vorsichtig und immer in Ufernähe über das leicht angetaute und trotzdem noch tragende Eis gewandert waren und den nun wirklich südlichsten Zipfel erreicht hatten, bot sich uns ein Bild, wie man es von Schweden erwartet: Die runden Felsen mit spärlichem Pflanzenwuchs, Bäume, Schnee und Eisschollen. Dazu ein See, dessen Ufer hinter dem Horizont zu liegen scheinen und eine langsam und früh untergehende Sonne. Dieses unfassbar schöne Szenario, brachte uns dazu, wie heute so üblich eine Menge digitaler Bilder zu machen. Einige davon im Anhang. Nachdem die Speicher voll und die Sonne fast untergegangen war, fiel das einhellige Urteil: Besser geht's nicht. Wieder nach Karlstad zurück wollte eigentlich niemand.

Die Rückkehr wurde allerdings einige tage später mit einem typischen, schwedischen Dinner belohnt: "Nävgröt med sidfläsk och lingonsylt" - Faustgrütze mit Fleisch und Preiselbeersülze. Die Hauptkomponente, eine värmländische Spezialität aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts und in diesem Fall fachmännisch zubereitet von Anna-Karin Persson, besteht im wesentlichen aus Mehl und Wasser - und schmeckt erstunlich gut, wenn man sie mit den beiden Beilagen mischt. In früheren Zeiten wurde sie, da einfach und günstig zuzubereiten, vor allem von den Holzfällern im Wald und ohne Beilage vertilgt. Smakligt maltid!
Dieses Wochenende geht's mit Christiane plus den niederländischen Gefährten nach Oslo.

Hälsningar på Tyskland,
Jochen;-)

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06.04.2004 Halvtid! ELLER: Barn, hur tiden förflytar!  - (Halbzeit! ODER: Kinder, wie die Zeit vergeht)

Snälla vänner om dömesfråga och ångbåtsbolag,

nu är det halvtid. Och frågan är: Är (tid-)glasen halv full eller halv tom? Svaren är: Båda två!

Nachdem nun schon über ein Monat seit meinem letzten Nord-Report vergangen ist (und manch einer hat sich hier vielleicht sogar insgeheim eine Fortsetzung der Funkstille gewünscht), habe ich so meine rechte Mühe die letzten, äußerst ereignisreichen Wochen in angemessener Form abzufeiern.

Nach der großen Marketingklausur, die mit 34,5 von 45 möglichen Punkten (wobei ich rund 10 gar nicht oder sehr frei assoziativ beantwortet habe) gelaufen ist, haben wir uns in Richtung Norwegen aufgemacht. Da unsere holländischen Reisekumpanen sowohl über ein Auto als auch einen weiteren Holländer mit Bleibe in Oslo verfügen konnten, versprach die Reise recht kostengünstig zu werden. Das ist wichtig, weil man ja hier möglichst viel reisen möchte. Und Bier ist eben teuer.

Weil es in Holland ja keine Berge gibt, sind die Flachländer gleich am Samstagmittag rodeln gegangen und haben sich später in Ihren nassen Klamotten den Allerwertesten abgefroren. Christiane und ich haben uns in aller Gemütsruhe die Skisprungschanze am Holmenkollen angeschaut und sind dann ein wenig an der Langlauf-WorldCup-Strecke promeniert, um René Sommerfeld und seine Kumpanen zu betrachten und hier und da zu beklatschen. Dabei mußten wir ganz schön aufpassen um nicht zu stolpern, weil überall stinkbesoffene Norweger und Schweden rumlagen. Alle, die noch nicht lagen, haben gebrüllt wie am Spieß oder Würstchen gegrillt. Die Bratwürstchen dürfen hier übrigens laut Gerichtsbeschluß teilweise nicht mehr Würstchen genannt werden, weil da nur 30 % Fleisch drin sind. Der Rest ist Kartoffelmehl, Stärke, Aroma und Geschmacksverstärker. Die heißen dann Hotdog oder grillare. Aber eben nicht "korv". Weil wir erst so spät losgegangen sind, was auch mit dem Gratis-IKEA-Bus vom Stadtrand in's Zentrum zu tun hatte, der aber wiederum eine halbe Stunde Fußmarsch voraussetzt, haben wir außer dem teuer sanierten Hafenviertel an diesem Tag nicht viel mehr von Oslo gesehen. Am Sonntag sind wir dann aber extrafrüh aufgestanden, und haben es noch geschafft das Schloß von außen und die Burgruine von innen zu besichtigen. Da es aber sooo schneidend kalt war, wollten wir danach auch echt nach Hause fahren.

Auf das Oslo-Wochenende folgte die erste von drei legendären Case-Studies. Jeder Student kennt das Gefühl, nach einer Klausur mehr oder minder zufrieden mit dem Kurs abzuschließen. Pustekuchen: Das innovative Marketingkonzept von MCC (Smart) - Beschreibung, Analyse, Lösungsmöglichkeiten, Empfehlungen. 5 Seiten. Ist nicht viel. Wenn man sie sinnvoll füllen will, schon. Wollten wir. War schwer. Bis Do. Punkt 12, bitte schön. Abgabe in zweifacher Ausfertigung. Eine für den Dozenten, eine für die "Opponent-Group". Wir also mußten am Freitag präsentieren, eine andere Gruppe uns kritisieren. Sowas gibt's ja in Deutschland nicht. In Spanien auch nicht. Und da unser "Streitgespräch" auch nicht bewertet wurde, entwickelte sich ein höflicher, internationaler Dialog über unsere tolle Arbeit. Andere Gruppen mußten sich da härter mit ihren Gegnern auseinandersetzen. Schön, wenn man seine eigenen am Abend zuvor im Nachtclub trifft. Als wir nach zwei weiteren, laaaaaaangen Wochen mit jeweils einer Case-Study (Molkereiproduzent MD Foods, Problem: es gab kein Problem UND tschechisches Bier: wie verkauft man es in die Welt) durften wir dann auch mal kritisieren. Unsere Gegenpartei bestand allerdings aus verkaterten Franzosen. Die waren sowieso wehrlos. Warum dann angreifen? Der Dozent übte sich auch an dem Morgen auch in Ahnungslosigkeit, nachdem er eine halbe Stunde lang versucht hatte, sein Notebook inkl. Beamer zu starten. Was sollte es also? Ist aber auf jeden Fall eine andere Form, sich mit den Gedanken und Arbeiten der anderen auseinander zu setzen, als nur in halbleeren Seminarräumen zu den Referaten der anderen zu dösen, oder die Hausarbeiten nur an den Dozenten abzuliefern, der sie dann irgendwo verschwinden läßt. Bei der der Bachelor- und Master-Abschlußprüfung geht es hier dann 2:2 richtig zur Sache. Zwei präsentieren, zwei verteidigen - quasi als mündliche Prüfung. Und dann nochmal umgekehrt allerdings in einer anderen Konstellation. Anschließend müssen bzw. dürfen die kritisierten Punkte noch einmal überarbeitet werden.

Nach einer Ausgiebigen Prüfung meiner Vorleistungen durch das Prüfungsamt, habe ich mich nun entschlossen, mein Studium hier in Karlstad um die Monate August - Oktober zu verlängern. Da die Bedingungen hier in Schweden etwas anders sind, und man einige "freie" Kurse mit in das Studium einbringen kann, schaffe ich es hier mit ca. einem Semester Mehraufwand, ein kandidatsexam , sprich: Bachelor, in "Business Administration" (BWL) zu erwerben. Dafür bräuchte ich in Lüneburg ca. 3 Semester. Einziger Wehrmutstropfen: Ich muß dieses eine Semester mit VWL, also Mikro- und Makroökonomie belegen. Ein halbes Semester mache ich also jetzt sofort, eine weitere Hälfte werde ich im nächsten Jahr, bzw. mit Kursen in Lüneburg belegen. Die Organisation läuft. Nachdem ich nun aber den "International Marketing"-Kurs mit schwedischer Bestnote (Bestanden mit Auszeichnung) bzw. der ECTS-Note B (1,7 - 2,3) absolviert habe, bin ich guter Dinge.

Die Wochen(enden) nach Oslo waren allesamt sehr reisebewegt, zumal ein Woche auch komplett Uni-frei war. Ein Wochenende habe ich in einem kleinen, verrückten Ski-Ressort verbracht, daß komplett (!) in niederländischer Hand ist. Unsere niederländischen Kommilitonen haben dort einen guten Preis aushandeln können. Und so kam es, daß ich für sehr wenig Geld ein Snowboard leihen konnte und mir mit noch weniger Aufwand derartig das Steißbein geprellt habe, daß ich nun nach rund 3 Wochen immer noch meine Freude damit habe und es ab und an spüre. Zumal ich vor zwei Wochen in Kiruna noch mal tüchtig ausgerutscht bin.... No risk, no fun. Wenn ich das nächste mal Snowboard fahre, dann 1. nur mit Steißschutz und Handgelenkschonern und 2. mit jemandem, der mir zeigt wie's geht. Nach 3 Stunden bin ich auf die guten alten Ski umgestiegen. Das hat geklappt. Und weil die Betreiber-Crew der Holländer in der Nacht so betrunken=lustig war, hat sie um Mitternacht nochmal den Lift angeschmissen, uns aus den Schlafsäcken gerufen und uns bei Flutlicht die frische Neuschneepiste befahren lassen und selbst befahren. Die spinnen, die Holländer.

Nach der letzten Case-Study und dem dazugehörigen Seminar gab es dann endgültig kein Halten mehr: Da auf den Kursabschluß auch noch eine freie Woche folgen sollte, machte sich eine mehr oder minder gemischte Gruppe (1x Schweden, 1x Spanien, 1x Polen, 3x Holland, 4x Deutschland) auf, zum ersten Mal im Leben den Polarkreis zu betreten. Das ist da, wo die Sonne im Winter nicht auf-, und im Sommer nicht untergeht. Wir waren zeitlich gesehen genau auf der Hälfte. Nach einer rund 23 stündigen Fahrt von Karlstad über Stockholm in den immer verschneiteren und menschenleereren Norden, fuhr unser Liegewagenzug am Vormittag des 27.03.2004 in Kiruna ein. Nach der frohgemuten Inspektion der Herberge wartete das weltberühmte Eishotel (das Original wie man erfahren durfte) auf uns. Obwohl ich "Touristenattraktionen" eher etwas kritisch gegenüberstehe, war ich äußerst positiv überrascht. Nicht überlaufen, ein moderater Eintrittspreis und ein schwer beeindruckender Bau aus Schnee und Eis, in dem sehr viel Kreativität steckt - kaum möglich das alles in Worte zu fassen - darum Bilder im Anhang und die Empfehlung, bei einem Winterbesuch in Schweden frühzeitig einen günstigen SAS-Flug in den hohen Norden zu buchen und sich vielleicht sogar dort eine Nacht bei konstanten -5°C in den Schlafsack zu kuscheln. ( www.icehotel.com ). Auf die kalte Besichtigung folgte eine warme Sauna und ein erfrischendes Schneebad. Dann die obligatorische Hüttenparty. Dann schlafen.

Um den zweiten Tag auch gänzlich zu nutzen, haben wir uns Langlaufskier ausgeliehen, um auf Ihnen den Nationalpark bei Abisko zu erkunden. Pech war, daß es den ganzen Tag bedeckt war (wie die ganze Zeit über, so daß uns der ersehnte Blick auf die Polarlichter verwehrt geblieben ist) und geschneit hat, und wir keine gute Sicht hatten. Schnee lag eigentlich schon genug rum. Pech war auch, daß es die ersten 6 der 10 Kilometer fast stetig bergauf ging, was für ungeübte Langläufer nicht immer lustig ist. Und Pech, aber auch witzig ist, daß man auf Langlaufskiern bei der Abfahrt schlecht lenken und noch schlechter bremsen kann, was in Massenstürzen ohne größere Verluste endete. Nach dieser Tortur haben uns die "Ost- och Skinkamackor" (Käse- und Schinkenstullen) der Turiststation wirklich gut getan.

Das Highlight jedoch sollte am nächsten Tag folgen: Die Fahrt mit den Hundeschlitten zu einer lappischen Hütte in der Wildnis mit Übernachtung, Rentierfleisch für alle und Aktivitäten wie Eisangeln oder ein Bad in der holzbefeuerten Sauna. Nachdem alle winterfest eingekleidet waren und die Schlittenseile sortiert, wurden die Hunde aus dem Anhänger gelassen. Dort waren sie zuvor rund 20 Stunden von unserem schratigen Führer aufbewahrt worden. Wer nun erwartet, daß da putzige sibirische Huskies rausgetollt kommen, die einen anspringen und abschlecken und spielen wollen, der täuscht sich gewaltig. Erstmal wollen die austreten. Aber mächtig. 20 Hunde auf einmal. Ein großartiges Schauspiel. Unser Führer konnte die Haufen gar nicht so schnell vom Weg schaufeln, wie sie gemacht wurden. Dann wollen die Hunde rennen. Und die Bewegung regt dann wieder die Verdauung an. Und wenn dann einer der Hunde loslegt, wollen die anderen trotzdem weiterlaufen. Dann muß man bremen und warten. Und das geht dann eine halbe Stunde so. Dann wollen die Hunde nur noch rennen. Und nach 1 1/2 Stunden waren wir schließlich am Ziel, die Hunde kamen an eine lange Leine und haben Futter gekriegt. Wir mußten noch über den zugefrorenen Fluß. Dann waren wir in der Wildnis. Kein Strom, kein fließendes Wasser, kein Handyempfang. Aber Holz. Zum Hacken. Sonst wird es kalt in der Hütte. Und alle wollten auf einmal Holz hacken, weil es ja sonst nicht viel zu tun gab. Die Hütte war urgemütlich und echt traditionell, bis auf die Fenster und den Ofen. Überall lagen Rentierfelle rum, deren Haare ich auch heute noch beim Waschen finde. Und weil es in der Wildnis echt nicht viel zu tun gibt, gab es einige Gesellschaftsspiele zur Unterhaltung und Spiele wie: "Loch ins Eis hauen und Wasser mit dem Kanister holen, damit wir was zu Trinken und zum Kochen haben!", "Spalte den Scheit!" oder: "Zwei echt urnordische Schweden fällen einen Baum, der auf die Hütte zu fallen droht, und alle müssen helfen, daß zu verhindern!". Zur Belohnung gab es dann Rentiergulasch mit Sahne und Nudeln. Und am abend dann die Sauna mit urgemütlichem Feuer und reichlichen Aufgüssen. Der nächste Vormittag war vom Eisangeln bestimmt, dass sich als sehr entspannend aber erfolglos erwies. Leider war der Bohrer defekt. Darum mußten wir "alte" Löcher wieder aufkloppen und dann darin angeln. Das war wohl reine Beschäftigungstherapie, denn noch am Tag zuvor haben wir gelernt, daß sich die Fische im kalten Wasser kaum bewegen und in einer Art Winterschlaf vor sich hindämmern. Man muß rein zufällig das Loch genau über dem Fisch bohren. Dann den Haken nehmen, runtertauchen, dem Fisch den Haken in den Mund stecken, Mund zu machen, hochtauchen und die Angel einholen. War leider nicht möglich, die Löcher waren zu klein. Und um jedes Loch saßen drei Leute, die nach und nach aufgaben. Dann hatte ich die Löcher für mich alleine und eine herrliche Ruhe. Ich habe mich entspannt, immer wieder mit der Angel den Köder bewegt, und mir vorgestellt, daß ein Fisch dran zupft.

Zum Mitagessen gab es Rentier. In Sahne. Diesmal aber geräuchert. Und Nudeln? Oder Reis. Und wieder das leckere fladenähnlich Polatbrot. Vor der Abfahrt haben zwei der Holländer ihre vom Eisfischen nassen Handschuhe zum Trocknen auf den Ofen gelegt. Während die Lederhandschuhe nur um einen Zentimeter geschrumpft sind, waren die Nylon-Handschuhe angeschmort. Mit den Hunden ging's zurück zur Abfahrtsstation, mit dem Auto dann zum Bahnhof. Auf dem Weg dorthin passierte dann das Unmögliche: Eine Elchkuh mit ihrem Kalb kreuzte unseren Weg. Und: Meine Videokamera versagte. Dafür haben die anderen reichlich Fotos von den Elchen gemacht, und ich bin stolz, einen echten Elch in freier Wildbahn in den Anhang dieser e-Mail stecken zu können.
Nach 19 Stunden Fahrt, die morgens um 6 Uhr jäh aufgeweckt mit dem Bus fortgesetzt werden mußte, da vor uns ein entgleister Güterzug die Schienen blockierte, kamen wir wohlbehalten in Stockholm an.

In Stockholm ging's sodann auf die Fähre nach Helsinki, eine Fahrt mit vielen internationalen Studenten, grossem All-You-Can-Eat-And-Drink-Buffet, Duty-Free-Shop, Karaoke-Bar und einem Tag Aufenthalt im schneeregen-nassen und -grauen Helsinki. Neben einer Rückfahrt durch's Eis und einem Besuch der Brücke beim 1. Offizier bleiben hier weitere Details unerwähnt, da es den gesprengten Rahmen dieser mail noch weiter überschreiten würde.

Hälsningar på Tyskland och "Glad påsk!",
Jochen;-)

PS.: Wie es der Zufall und die Planet 4 GmbH so will, werde ich vom 18.-25.04.2004 in Hannover (Deutschland) sein, um wieder auf der Hannover Messe eine kleine Bühne in der "GoFoHighTech" Jugend- und Ausbildungshalle zu moderieren. Välkommen, vi ses.

Das Icehotel

o.: Crosscountry im Abisko-Nationalpark
r.: Schlitten und Huskies

l.: Lappische Hütte

r.: Echte Elchkuh

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12.06.2004 Slut, eller hur? (Schluß, oder wie?)

Kära vänner av sjuksköterskor och andra yrken,

är det värkligen slut nu med Jochens studierna på Karlstads universitet? Nej, det är det inte. Han ska fortsätter i augusti. Men i mellantid kommer han till Tyskland.

Und genau so sieht das aus: Das Semester ist um, alle Klausuren und Arbeiten geschrieben, alle Noten eingesackt, und gut is. "Schwedisch" ist mit 98% abgeschlossen, also ein richtig dickes "A" und wohl eine 1 - 1,3. "International Marketing" war ein "B" also im 2er-Bereich, und "Service Management & Marketing" in Sachen Notenvergabe eine reine Farce und äußerst willkürlich. O-Ton des Kursleiters Bo Enquist (übersetzt): "Ich habe einigen von Euch in der Bewertung der Home-Examination ein paar Punkte geschenkt, wenn es knapp an der höheren vorbei war. Darum haben auch alle bestanden." Leider konnte ich davon nicht profitieren. Dafür aber wurde mein 2. Paper abgewertet, weil ich in der einen Block-Vorlesungs-Woche auf der Hannover-Messe gearbeitet habe. Stand nirgends, keine Verpflichtung, das Paper war denn auch nicht weiter kommentiert, außer: Paper gut, nicht dagewesen, schlechtere Note. Keine Diskussion, wird nichts geändert. Leider kam die Ansage erst nach der Paper-Abgabe. Weil ich trotzdem diskutiert habe, versprach mir Bo (oder liebevoll "Buh" genannt), meine Gesamtnote nach dem letzten Paper zu einem "B" zu biegen. Das letzte Paper war eine 25-seitige Analyse des Sustainability-Reports der SwedBank. Es gab acht oder neun Gruppen. Am Tag der Abgabe stand die Endnote vermutlich schon fest. Entweder der Mann ist ein Genie und hat die Arbeiten zwischen 16 und 24 Uhr korrigiert oder einfach die Noten ausgewürfelt und ist dann in sein Sommerhaus gefahren. Wahrscheinlich ist eher das letztere. Im Seminar war er nämlich schon so müde, dass er im Sitzkreis zwischenzeitlich eingenickt ist. Und das schönste: Er wird für die Bachelor-Arbeit unser Tutor und Prüfer sein. Heute haben wir uns mit Ihm getroffen, und das scheint wohl etwas anders zu laufen. Hier muß er sich ja mit uns auseinandersetzen. Und unsere Zeilen lesen. Und angemessen bewerten. Die Arbeiten stehen hinterher nämlich allesamt in der Bibliothek. Die Paper haben wir persönlich zurückgekriegt. Bis auf das letzte.

Das Schreiben des Bachelor (oder "kandidatsexam") bedeutet, das ich noch bis Ende Oktober 2004 hier in Karlstad bleibe. Allerdings bin ich zwischendrin in Deutschland, und zwar von Anfang Juli bis Mitte August. Diese Zeit werde ich in Hannover verbringen, und ein Praktikum bei "NDR 1 Niedersachsen" verbringen. Also kein Urlaub. Vielleicht Urlaub von Schweden. Aber Urlaub mache ich ja hier auch noch.

Die Krönung meiner bisherigen Ausflüge wird ein weiterer Aufenthalt im hohen Norden, in Norwegen bei den Walen und in Abisko zur Mitsommernacht. Und das zusammen mit meinem alten Herren. Der kommt mich hier besuchen, und dann fliegen wir nach Kiruna. Ein Elch mehr, was soll's :-)

Da oben im Norden wird dann 24 Stunden am Tag die Sonne scheinen. Davon wird man bestimmt verrückt. Hier in Karlstad wird es auch nicht mehr richtig dunkel. Gegen Mitternacht ist die Abenddämmerung fast abgeschlossen, um nahtlos in die Morgendämmerung überzugehen. Und um 23 Uhr ist es noch richtig hell draussen. Wenn man um 2 Uhr von einer Party kommt, braucht man kein Licht mehr am Fahrrad und kriegt fast schon einen Sonnenbrand. Das schlimmste aber: Man muss sich ins Bett zwingen, weil man erst sehr spät das Gefühl hat, es wäre Zeit ins Bett zu gehen. Wie soll das erst da oben werden? Ich kaufe mir vermutlich noch so eine modische Nachtmaske, wie man die sonst im Flugzeug geschenkt kriegt. Ich hätte echt nicht gedacht, das sich das so aufs Gemüt auswirkt, ist doch schön, immer hell, aber dunkel ist auch nicht schlecht.

Nach der Hannover Messe im April gab es keine einzige Vorlesung mehr, nur noch zwei mehrstündige "Seminare" auf denen Paper 2 und 3 "besprochen" wurden. Das Schreiben war aber auch so auslastend genug. Selbstverständlich blieb trotzdem Zeit zu reisen.

Ulrika, eine Schwedin aus meiner Deutsch-Konversationsgruppe, hat mich nach Malung in Dalarna eingeladen. Da kommen die netten und ar***teuren Holzpferdchen her, die an betuchte Touristen verscherbelt werden. Wenn noch etwas Geld übrig ist, kauft der deutsche Tourist auch noch ein Beutelchen oder Gläschen mit Elchkacke. Die gibt es in den verschiedensten Variationen, ist ja auch logisch, der Elch ißt ja nicht ständig das selbe. Was der deutsche Tourist damit macht? Nun die schwedischen Spekulationen gehen von "in's Regal stellen" über "auf den Kamin stellen" bis hin zu "rauchen". In Malung selbst ist eigentlich nicht viel los. Um Malung herum ist viel Natur. Viel Wald. Soweit das Auge blicken kann. Nur Bäume. Dazwischen sitzen die Elche. Ohne Auto wird einem schnell langweilig. Wir hatten am ersten Tag eins. Wir sind auf einen Berg gefahren und haben uns den Wald von oben angeschaut. Dann sind wir wieder runter gefahren. Auf dem Weg zu den Sommerhäusern haben wir den Wald von unten gesehen. Die Familie hat eine große Sommerhütte an einem recht einsamen See. Sah ein bißchen wie in Bullerbü aus. Die hatten ja auch kein fliessend Wasser. Danach sind wir an eine Grillhütte am See gefahren und haben Elch gegrillt. Der war noch in der Gefriertruhe vom Elchjagen im letzten Oktober. Da ist das Jagen einer bestimmten Menge pro Jagdrevier erlaubt. Luchse darf man nicht schießen und Wölfe und Bären auch nicht. Die gibt's aber. Gesehen habe ich die nicht. Aber meine Elche Nr. 3 und 4. Die standen an einer Straße mit Elch-Seh-Garantie, und wenn man die in der Abenddämmerung langfährt, sieht man garantiert einen Elch, oder der rennt einem vor's Auto. Meine standen aber nur da und haben am Gestrüpp genagt. In der Jugenherberge in der ich geschafen habe, war ich allerdings ganz alleine. Da gab es noch nicht mal Elche. Am nächsten Morgen bin ich laufen gegangen, weil Ulrika einiges zu erledigen hatte. Gegen Mittag hat Sie mich abgeholt und mich in die Stadt gefahren. Sie hatte noch mehr zu erledigen. Da habe ich mir Malung angeguckt und war schnell fertig.

Fazit: Kleine Stadt, viel Natur, aber ohne Auto nicht viel zu holen. Flußfahrten auf dem Klarälven sollen der Renner sein.

Eine weitere Einladung verschlug mich mit 9 weiteren Studenten in eine sogenannte "Stuga", also ein schwedisches Sommerhaus. Da haben wir gegrillt, getrunken, sind nachts nackt in den Fluß gesprungen und haben gefroren. Wir haben geangelt, die Fische haben uns die Würmer vom Haken gefressen, und der einzige der an Land zu holen war, war sehr klein und voller Gräten. Jetzt habe ich eine größere Angel, und ein paar größere Fische gefangen. Der dicke Hecht läßt noch auf sich warten. Dafür bräuchte man wohl aber auch ein Boot, denn die dicken Fische schwimmen ja nicht am Ufer.

Elch Nr. 5 (eine ganze Hand Elche habe ich jetzt schon gesehen) haben wir an Christianes Geburtstag gesehen. Da habe ich nach einem Gespräch mit der Besitzerin der gemieteten Hütte eine Elchsafari vorgeschlagen. Christianes Eltern hatten schon einige Autokilometer hinter sich, allerdings schien die Aussicht auf Elche einigermaßen erfolgsversprechend. Nach einer Stunde Autofahrt, sah die Bilanz wie folgt aus: Ein Hase, zwei Gänse, drei Rehe! und dann vier Elche? Leider keiner zu sehen. Und die Mutter hatte keine Lust mehr Auto zu fahren. Und ich ein schlechtes Gewissen. Also zurück zur Hütte. Noch ein Kilometer, noch 500m, 300m, 200m - Vollbremsung! Ein Elch. Rüber über die Straße. Aus dem Nichts. Oder aus dem Graben. Und rennt übers freie Feld weiter. Jochen raus mit der Videokamera. Diese in Kombination mit dem deutschen Kennzeichen entlockt dem vorbeifahren schwedischen Verkehrteilnehmer ein herzlichens Lachen. Während Jochen noch dem Elch hinterzoomt, ist Familie Hannusch schon auf dem Feldweg und fährt parallel zum Elch. Hält an und läuft rauf auf's Feld. Fotapparate klicken. Der Elch bleibt stehen. Läuft nicht nach links in denWald, sondern entscheidet sich für einen gemächlichen Trab nach rechts. Rechts stehen wir. Und so kommt es, das max. 20m Luftlinie von uns entfernt ein Elch über den Feldweg trottet (siehe Foto), um dann leicht verwundert ob der Zuschauer im Dickicht verschwindet.

Christianes letztes Wochenende in Schweden haben wir gemeinsam in Mariestad am Vänern verbracht. Eine richtig schöne Jugendherberge direkt am Wasser war unser Quartier und ein kirchliches Kaffee mit äußerst christlichen Preisen unser mehrfaches besuchtes Ausflugsziel. Neben Kaffee und Kuchen gab es eine sehr phantasievolle Minigolfanlage. Und Kanus zu leihen (s. Foto). Und alles für wenig Geld. In Schweden. Herrlich. Abends beim Essen schlagen die ersten Mücken zu. Warum muss man bei herrlichem Wetter auch draußen Essen, ohne Socken und in Sandalen?

Neben Studium und kleinen Reisen kam aber auch die sportliche Seite nicht zu kurz. Der 05.06. stand in Karlstad im Zeichen des 10km-Stadtlaufes, auch "stadsloppet" genannt. In den Wochen zuvor habe ich mir je zweimal die Laufschuhe untergeschnallt, einmal davon am Wochenende, auch in Malung, bei der Stuga, in Mariestad. Ohne Rücksicht auf Verluste. Mit etwas Geschick habe ich die Startgebühr runtergehandelt und konnte so weitere Studenten motivieren, am Lauf teilzunehmen. So sind wir als "International Dream Team" gestartet: 2x Schweden (w), 2x Deutschland (m), 1x Spanien(m) und 1x Niederlande (m). Warum wir allerdings die Startnummern 1,3,4,6,8&9 konnte sich niemand so richtig erklären. Bei rund 2500 Läufern + weiteren 1000 x X Inlineskatern fällt man damit auf. Schon vor dem Lauf beim Aufwärmen und beim obligatorischen Toilettenbesuch war das Getuschel groß. "Guck mal, die Nr.6!". Zwischen Ehrfurcht und Anflügen von Neid & Missgunst war wohl alles dabei. Die Ironie des Schicksals: Unsere Nr. 1 war die langsamste im Team, und mit 58 min. auch nicht mehr auf dem Treppchen. Sie hat vor dem Rennen die 1 sogar zum Tausch angeboten, und fühlte sich irgendwie nicht so richtig wohl. War jedenfalls eine schöne Sache und mein Training hat sich gelohnt. Mit 42:56 habe ich Platz 513 belegt und den Teamersten gemacht. Hui, war das schnell. Und hinterher gab's noch eine kostenlose Beinmassage.

Jüngst habe ich mich zum ersten Mal im Golf spielen versucht, eine schwedische Freundin (namens Anna, wie auch sonst:-) hat mich mitgenommen auf die Driving Range. Ihr Freund Anders ist ein erfahrener Spieler und hat mir gezeigt wie ich den Schläger zu halten, führen und zu beschleunigen habe. Dann ging's los (s. Foto). Schläger schwingen, dabei auf den Ball gucken, linker Arm schön grade, rechter eingewinkelt, Knie locker und leicht gebeugt, wo war noch mal der Ball, ausholen - man, das ist ja richtig Arbeit. Aber macht Spaß. Ich habe auch den Ball getroffen und tiefe Löcher in den Rasen geprügelt. Anna beweist nächste Woche ihre Platzreife. Vielleicht darf ich ja nochmal mit. Wenn wieder etwas Gras nachgewachsen ist.

Neben all diesem Spass bin ich auch noch Onkel geworden. Drei Wochen "zu früh" ist am 27.05. der Sohn meines Bruders auf die Welt gekommen: Jakob Linus Manske, 49 cm, 2460 gr. und gesund. Nur sehr behaart, wie ich auf dem ersten Foto, das mir per Post am Freitag zugegangen ist, feststellen mußte (s. Anhang). Naja, friert das Kind wenigstens nicht.

Die letzten Tage habe ich mit kleineren Abschiedsfeiern verbracht und schon ein wenig zum "kandidatsexam" recherchiert. Vielleicht lege ich mich nochmal in die Sonne oder gehe Angeln. Oder lasse es mir einfach gut gehen. Das geht hier. Auch wenn fast alle Internationalen, aber auch Schweden, abgereist sind. Die einen zurück in die Heimat, die anderen zu ihren Eltern oder zum "sommarjobb".

Och vi? Vi ses snart. Ha det så bra,
Jochen;-)

PS.: Ich mußte innerhalb des Gebäudes / auf meinem Flur umziehen und habe eine leicht geänderte Adresse. Bitte überprüfen:

Jochen Manske
Västra Torggatan 8 / 518
65225 Karlstad
SWEDEN

l.: Noch’n Elch. Freilaufend. Auf dem Feldweg.

r.: Kanu auf dem Vänern

l.: Jochen’s erste Golfversuche. Ein zweiter Woods?

r.: Nachwuchs-Elch Jakob Linus Manske

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27.10.2004, Betreff: En gång till! ELLER: Snart är allt över! (Zugabe! ODER: Bald ist alles vorbei!)

Kära vänner av trafikanten som svänger at vänster och blygdhår,

 det är dags att fortsätta, eftersom show måste gå vidare. Så gör vi det:

Zunächst muß das Rad der Zeit allerdings um knappe 5 Monate zurückgedreht werden. Was war da los? Nachdem alle Kurse erfolgreich abgeschlossen waren, gab's erstmal Urlaub. Mit meinem Vater. Der hatte sich langerhand entschlossen in den Norden zu kommen, um neben einer Stipvisite in Karlstad den Polarkreis unsicher zu machen. Also habe ich ihm hier in Karlstad die zensensierten Fragmente meines schwedischen Studentenlebens eröffnet, was neben dem Vänern auch das Kubbspielen im Park und die damalige Fussball-EM bedeuteten. Zusammen mit meinen holländischen Freunden haben wir uns äußerst friedlich das deutsch-niederländische Untentschieden angeschaut und in meiner Kammer den Rest des 1-1 von Schweden gegen Italien (weil es bei der Aussenübertragung anfing zu regnen, siehe Foto). So hatten wir gleich zwei Teams im Rennen, von denen es die Blau-Gelben weiter als die Schwarz-Weißen gebracht haben, was Ruuuudiiiiii sich selbst den Job kosten ließ.

 Auf dem Weg nach Kiruna haben wir in der Studentenstadt Uppsala Station gemacht und durften aufgrund der örtlichen Unzugehörigkeit nicht in die Studentenkneipen zum Fussballgucken, so dass wir die deutsche Fahne, auch wenn es kaum Grund dazu gab, in der leeren Kneipe am Marktplatz geschwenkt haben.

Von Uppsala haben wir ausser einem ausgiebigen Rundgang am Samstagnachmitag nicht viel gesehen. Macht nicht's, am nächsten morgen waren wir früh in Stockholm und haben das Seh-Defizit wieder aufgeholt. Im Besitz einer sogenannten Stockholm-Card (Eintritt in viele Sehenswürdigkeiten und Öffis) habe ich meinen alten Mann durch die schwedische Kapitale geschleift, runter vom Jugendherbergs-Schiff "av Chapman", rauf auf den Dampfer mit der Rundfahrt, Altstadt, Schloß, Exerzierplatz, Fotoausstellung (nicht meine Idee, aber nett), Aquarium (mit Haifischen) und dann schlußendlich mit bereits plattgelaufenen Füßen durch Schweden im Kleinformat (Skansen-Park) mit Elchen, Bären, Füchsen und alten Häusern. Aufgrund der Müdigkeit einiger Teilnehmer fiel der Tivoli-Besuch leider aus. Machte nix, am nächsten Morgen ging der Flug in den hohen Norden.

 In Kiruna angekommen wartete der kostengünstigste Leihwagen auf uns, der uns durch seine automatischen Verriegelungsvorgänge der Türen zunächst erheiterte, die "Irgendwo ist noch ein Tür offen"-Leuchte uns besorgte, und der Verleiher uns am Telefon beruhigte (Alles ist gut! Ganz normal!), was die Fahrt Richtung Narvik leicht verzögerte. Genauso wie die Fahrt durch unseren ersten norwegischen Tunnel, in dem wir feststellen mussten, daß leider beide Abblendlicht-Glühbirnen durchgebrannt waren, was zwar praktisch nichts macht, da ja 24 Stunden Sonnenschein, aber aufgrund der Licht-Pflicht weniger beruhigend ist. Und dann lass mal zwei leidenschaftliche Radfahrer in Norwegen die richtigen Birnen such und auswechseln... Alles wurde gut.

 Neben den atemfrequenzerhöhenden kleinen Zwischenfällen mit unserem ansonsten einwandfreien silbernen Renault Clio, wurde die Landschaft Richtung Narvik immer atemberaubender. Nach einem kleinen Rentierimbiss in Abisko, wandelte sich die von Birken und Steilfelsen geprägte "Fjäll"-Landschaft gleich hinter der norwegischen Grenze wundersam in mal schroffe, mal runde  Felsplataues mit kleinen sehen und deutlich mehr Ferienhäusern, bis es schließlich bergab an den Tysfjord ging. So haben wir es bis nach Narvik geschafft, ohne den Fuchs, der unseren Weg kreuzte (welch eine Wildnis) zu überfahren, um nach der ausgebuchten Jugendherberge die Herberge "Spur 1" aufzusuchen, die glücklicher weise gleich neben den Bahngleisen liegt. Da unser Zimmer auf der Rückseite lag, kamen wir nicht in den Genuß der ca. 5,37m am Bett vorbeifahrenden, größten Lokomotiven der Welt. Der Wirt verkauft das tatsächlich als Sensationserlebnis - nein danke! Wer braucht schon 40 Waggons Eisenerz zum Einschlafen?

An's Einschlafen war aber erstmal nicht zu denken, es war ja immer noch taghell. Und so  fuhren wir mit der bis nach Mitternacht fahrenden Seilbahn den Berg hinauf, kletterten ein wenig herum, saßen in vereinzelten Schneefeldern, und dass alles hoch über dem Fjord, bei gleißendem Sonnenschein gegen Mitternacht. Zeit für viele Fotos (siehe Anhang).

 Am nächsten Tag dann die Weiterfahrt auf die Vesterålen, eine Insellandschaft nördlich der wohl bekannteren Lofoten, wieder eine atemberaubende Fahrt, am Fuße von steil abfallenden Bergwänden zwischen deren Fuß und den unter Wasser steil abfallenden Fjordufern gerade noch so eine Straße paßte. Und die Straßen sind in Nordnorwegen unendlich lang. Sieht das andere Fjordufer nur 5 Minuten entfernt aus, geht diese Illusion Windung um Windung verloren, und es vergehen schnell mal 30 Minuten, um das die andere Seite zu erreichen - nix für Ungeduldige. Aber wir hatten ja Zeit. Also hielt ich in meiner fahrfreien Zeit nach den ersehnten Walen Ausschau, vergebens. In Andenes wartete das luxuriöseste Zimmer der ansonsten recht wettergegerbten Jugendherberge auf uns. Luxuriös deshalb, weil wir den einzigen Balkon der 12 Zimmer hatten, und der war auch noch mit Hafenblick, Richtung Norden, also Sonnentiefststand. "Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen will sie untergeh'n, im Norden ..." ...ja, was? Ist sie nie zu seh'n? Pustekuchen!

Nach einer Hafenerkundung und der Reservierung der Wal-Safari-Plätze für den nächsten Tag, klang auch dieser Tag ohne Sonnenuntergang aus.

 Die Walsafari. Grund unseres Trips in den so hohen Norden. Pottwale sollten es sein. Täglich gehem zwei -vier Touren raus, mit jeweils rund 100 Touris, und alle wollen sie Moby Dick sehen. Damit der gemeine Touri aber überhaupt erst mal was weiß über die großen Fische, folgt nach der freiwilligen Einnahme der Anti-Seekrankheitspille (neben Schläfrigkeit auch Konzentrationsmängel möglich, deswegen geht man ja auch auf Safari...) eine Führung durch's Walmuseum, mit einem Walskelett, lebensgroßen Wal-Nachbauten, Fotos und Infos. Mit so viel Wissen gerüstet, wird dann die Herde zum Hafen getrieben, und dann setzt sich die "Moby Dick" (so der Bootsname) in Bewegung richtung der Wal-Jagd-Gründe. Aufgrund der äußerst steil abfallenden  Küste erreicht man das Wal-Gebiet hier schon nach einer Stunde. dazu gibt's Kaffee, Tee und Kekse unddann das große Warten. Mit Unterwassermikrofon-Technik und bloßem Auge versucht die Crew der Sehbären zu erspähen. Mit Erfolg! Aus dem Nichts taucht plötzlich ein wasserspuckender Baumstamm auf. Immer und immer wieder bläst die Fontäne auf der linken Vorderseite des Kopfes. Dann gibt die Crew ein Kommando (Dive!), der Wal pariert, zeigt die Flosse, Kameras klicken und surren,  und der Wal verschwindet für die nächsten 20-60 Minuten. (siehe Bild) Nachdem vier insgesamt vier Mal dieses Schauspiel von zwei unterschiedlichen Walen bewundern durften, machte sich der Kutter auf Richtung Heimathafen, glückliche Gesichter auf unruhiger See, dazu servieren die Begleiterinnen ein dünnes Süppchen und Brot. Und im Souvenirshop kauft man sich dann noch einen Pottwal aus Plüsch und ein T-Shirt.

Und aus Neugierde am Fischstand in der Stadt ein halbes Kilo Krabben und dazu ein Narwal-Steak, zu Forschungszwecken gefangen, und im Geschmack dem Rind ähnlich.

 Zurück in Abisko, am Mittsommerspätnachmittag sollte uns laut Plan ein rauschendes Fest erwarten, nachdem wir schweren Herzens nach einem weiteren Zwischenstop von Norwegens Fjord-Landschaft Abschied genommen haben. Dies ging jedoch nicht ohne Fischfang am Hafen von Hanstad, bei dem sich die Fische um den Haken rauften, sobald er die Wasseroberfläche durchbrochen hatte. Also um 23:00 nochmal Pfanne heiß machen. ..

Zurück, die Berge wieder rauf, an Narvik vorbei, ins Fjäll zur Abisko-Touriststation. Ein echt schwedisches Mittsommer-Fest. Das Problem ist bloß: In Abisko leben kaum Menschen, also auch kaum Schweden. Also ein Fest mit Touristen. Das Problem war bloß: Als wir ankamen, war die 1,50 m hohe Maistange schon errichtet, die Musik spielte nicht mehr, niemand tanzte, und wir kriegten gerade noch das letzte Stück Erdbeerkuchen und einen Kaffee. Und das 40 Minuten nach Beginn der Veranstaltung. Entäuschung. Linderung versprach das auch preislich sehr verheißungsvolle Mittsommer-Buffet, Smörgåsbord (Butterstullen-Tisch), das in der Tat denn auch recht gut mundete. Aber so richtig typisch Mittsommer? Nein, das war es dann doch nicht.

 Nachdem wir noch einige Tage Zeit, genug Mückenöl und eine kleine Wanderkarte erworben hatten, sollten ein paar kleine Ausflüge in die Umgebung auf dem restlichen  Programm stehen. Ein Kontrast-Programm zu den langen Fahrten und der Küstenlandschaft. Das Fjäll besteht überwiegend aus Birken, Büschen, Gräsern, Moos und Felsen, und Wildnis. Und erstaunlich wenig Mücken. Es gibt zwar welche, aber die lassen sich in der Tat vom Öl vergräulen.

 Da saßen wir also im Fjäll, einer spärlich bewachsenen Berglandschaft, außer der Bundesstr. Richtung Norden und Süden nur unmotorisiert zugänglich. Und allen Sehenwürdigkeiten im Wanderbüchlein: Wasserfall, Natur, Natur, großer und unglaublich klarer und reiner See, eine Tropfsteinhöhle... ja, die sollte es sein. Also rein ins Auto und zur nächstgelegen Parkmöglichkeit, denn einige Kilometer sollten es dann doch sein. Erstes Hindernis: Bahngleise, einspurig. Darf man da rüber oder nicht? Und: Gibt es hier eigentlich einen Weg oder zumindest einen Pfad? Nachdem wir zweimal die Bahnschienen vorsichtig überkreuzt und uns vergewissert hatten auf dem richtigen Trampelpfad zu sein, brauchten und wir eigentlich nur noch dem reißende Bergbach zu folgen und dann sollte die Höhle linkerhand zu sehen sein. Nur waren wir auf der rechten Seite des Bachs. Und keine Brücke in Sicht. Und keine Höhle. Und kein Mensch. Laut Karte waren wie nach einer Stunde Kraxelei eigentlich schon daran vorbeigelaufen. Oder doch nicht? Vielleicht noch ein kleines Stückchen? Taugt der Skilift wirklich als Orientierungspunkt? Nach einer weiteren Stunde waren wir uns sicher: Das sind jetzt schon mehr als die beschriebenen Kilometer, und auch die kleine Wandergruppe war nicht wirklich eine Hilfe. Außerdem war wir schon oberhalb der Busch- und Baumgrenze angelangt, und die gefundene Brücke war auch nicht eingezeichnet. Also auf dem Rückweg jeden kleinsten Pfad Richtung Fluß erkunden, um dann doch nichts zu finden. Die Tropfsteinhöhle war verschollen. Nicht zu finden. Die Wanderung aber trotzdem schön, und weiter als erwartet.

 Die letzten Tage ließen wir dann mit kürzeren Wanderungen und ausgiebigen Mittagsschläfchen ausklingen. Der alte Mann hatte schließlich schon viel geleistet. Unser letzter Tag in Kiruna hatte dann noch mal etwas mehr Programm: Die obligatorische Eisenerz-Minen-Besichtigung und ein Besuch in einem kleinen Sami-Camp (oder Lappen-Camp, aber Lappen sagt man nicht) standen auf dem Programm. Und in diesem Camp hatten wir dann doch noch tätsächlich die Gelegenheit, Rentiere zu sehen, zu füttern, zu streicheln und zu essen. Für meinen Reisebegleiter Fritz, das Schaf, hatten die Rene allerdings nur kritische Blicke über.

 Mit etwas Wehmut und dem Rückblick auf eine schöne Zeit nördlich des Polarkreises traten wir die Rückreise an.

 Und dann? Der Sommer im Zeitraffer: Praktikum beim NDR in Hannover, Zeit mit Christiane verbringen, Freunde im Biergarten treffen, Promotion für den NDR, Literaturrecherche - und wieder ab nach Schweden, für 12 Wochen mit knallhartem Programm: Bachelor-Arbeit, und zwei Mikroökonomie-Kurse. Kein Zuckerschlecken. Aber erstmal kamen ja die "neuen" Austauschstudenten. Und somit waren die ersten Wochen sehr Party-Intensiv. So richtig enge Kontakte habe ich allerdings nicht geknüpft, außer mit einigen wenigen. Auf meinem Flur gibt es zum Beispiel ein paar nette neue Menschen. Unter Ihnen Andrew, ein angenehm kritischer US-Bürger, der sich für amerikanische Verhältnisse äußerst interessiert gibt, und dieses Interesse nicht nur oberflächlich ist. Der zettelt sogar regelrechte Diskussionen an, also mehr als "How are you. I am fine. Everything is sooo nice!" Nebenbei ist er noch ein bißchen verrückt, was sich sehr gut mit mir ergänzt an manchen Stellen. Nur ein Beispiel: Unsere Montagstradition: Mitternachtsschwimmen im Fluß, auf dem Weg Bademantel und Sonnenbrille tragen (Beweisfoto), danach in die Sauna. Jeden Montag. Logo. Fotos von dieser Aktion und anderen (u.a. von Andrew's Trip zum Oktoberfest :-) gibt es auf  http://homepage.mac.com/andrew_macrae/ . Ist echt einen Besuch wert. 

 Trotz der überwiegend vorherrschenden Ereignisarmut in den letzten 10 Wochen, soll an dieser Stelle eine tragische Geschichte kurz skizziert werden. Am Tag der Ankunft von Andrew kam auch William, ein richtiger Heay-Metal-Brite, wie er im Buche steht: Lange Haare, Iron-Maiden-T-Shirt und Bart. Und Britisch. Ankuntszeit ca. 18 Uhr. Gegen 22 Uhr dann mit uns in die Disko und ein paar Bierchen getrunken. Um 2 Uhr nach Hause. Um die Klamotten zu wechseln, Nacht-Schwimmen im Fluß war angesagt. Davor hatte unser schwedischer Begleiter noch die glorreiche Idee: Hej, wir könnten auf die Statue auf dem Marktplatz klettern, habe ich schon oft gemacht! Klar warum nicht? Raufklettern, Foto, wieder runterklettern. Klettern! Nicht springen, 4m sind hoch. Leider kam William oben leicht aus dem Gleichgewicht. Und sprang. "Man, this hurts, seriously!" Also Huckepack nach Hause. In den Lift. "Das schaffe ich schon, geht ihr mal schwimmen." Also sind wir geschwommen. Als wir zurückkamen, lag ein zitternder William auf seinem Bett, ohne Laken und Decke, nur mit einem Handtuch bedeckt. "Das tut weh! Ist aber nicht gebrochen!" Also Eis auf die Elefantenbein-dicken Knöchel. Anruf im Krankenhaus: Gebt ihm eine Schmerztablette, und morgen dann herkommen. Am nächsten Tag wurden William dann nach 7 Stunden Wartezeit in einer 3-stündigen Operation die Fußknochen und Knöchel wieder zusammengeschraubt und die Sehnen genäht. Mittlerweile kann er schon wieder ein wenig an Krücken gehen, ansonsten ist mit seinem schicken Rollstuhl unterwegs. Und, sehr wichtig, nimmt es mit Humor.... Eine Geschichte, die nachdenklich stimmt. (siehe Bild)

 Grund für meine sonstige soziale Abstinenz: Mein Studienpensum. Sind sonst 40 Stunden pro Woche vorgesehen, entsprechen meine Creditpoints rund 80 Stunden pro Woche. Denn die Mission für meinen verlängerten Aufenthalt war ja: Kandidatsexam-Thesis (also quasi Bachelorarbeit) schreiben, und dazu noch 15 ECTS in Mikroökonmie, aufgeteilt in "International Trade" und "Microeconomics, advanced level" bestehen. Das ist echt eine Menge Arbeit, und so habe ich nach dem International-Student-Ausflugswochenende im September kein wirkliches Wochenende gehabt, erst als mich Christiane besucht hat, habe ich mir "frei" genommen. Und als andere gefeiert haben, habe ich am Schreibtisch gesessen, nicht immer,aber immer öfter. Klingt nach wenig Spaß. Im Verhältnis zu den Parties der anderen, waren meine Besuche relativ gering, das ist wahr.

Aber es hat sich gelohnt, mit teilweise verblüffenden Ergebnissen. "International Trade" habe ich mit der Note B (1,7-2,3) bestanden, also weit über dem, was Mikroökonomie in Lüneburg erbracht hat ( 1x doppelt durchgefallen, eine andere mit 3,7 bestanden). Die Bachelor-Arbeit haben wir eingereicht und präsentiert, sind über 50 Seiten geworden, Thema "Deutsche Bank & Social responsibility - Integration of ethical aspects in value-based management." Auch dies ist bereits bestanden, vorraussichtlich auch mit B. Da hier in Schweden die Arbeiten aber in der Bücherei veröffentlicht werden, und dann landesweit zugänglich sind, haben wir jetzt 2 Wochen Zeit noch einige Sachen zu verbessern. Und wenn dann noch was nicht stimmt nochmal. Und nochmal. Zieht zwar die Note runter, sichert der Uni aber Qualität in den Veröffentlichungen. An unserer Arbeit sitzt Kollege Karsten gerade, da ich nur  noch 6 Tage habe um mich auf die Mikroökonomie-Klausur (dieses mal 5 Stunden) vorzubereiten. Das wird nochmal knallhart, und der Ausgang ist hier total offen. Jedenfalls sind die freien Tage am Wochenende wieder gestrichen....

 Und so wird dann mein Schwedenaufenthalt am 5. November zu Ende gehen, um 19.30 Uhr geht die Fähre ab Göteburg, am 6. um 9 Uhr an Kiel. Vorher feiere ich noch Abschied, von einem tollen Land, lieben Menschen und einer (Auslands-)Erfahrung, die ich nicht missen möchte, und nur empfehlen kann. Das eine Auge lacht, und das andere weint....

 Hälsningar för sista gången,

Jochen;-)

l.: Vikinger beim Fußball-Glotzen

r.: Bernhard hoch über Narvik. Es ist ca. 23 Uhr.

l.: Pottwal-Fluke

r.: Fritz das Schaf und unbekanntes Rentier

l.: Andrew und Jochen auf dem Weg zum Mitternachts-
Schwimmen

r.: Poor William Brown!